Zwischen den russischen Vorstößen nach Zentralasien und den nordwestlichen Zugängen zu Britisch-Indien lag ein Raum eigenständiger Herrschaften: Afghanistan, Persien und die Khanate von Chiwa und Buchara. Europäische Planungen trafen hier auf lokale Bündnisse, dynastische Interessen und Handelswege. Was später als Great Game bekannt wurde, war kein einzelner Krieg, sondern eine wechselnde Konkurrenz um Einfluss, Sicherheit und verlässliche Kenntnis des Landes.
Gesandte und reisende Offiziere beobachteten Pässe, Wasserstellen, Befestigungen und politische Stimmungen. Ihre Berichte verbanden Reisebeschreibung mit diplomatischem Auftrag. Der britische Einmarsch in Afghanistan 1839 und der Rückzug aus Kabul 1842 zeigen, wie unsicher der Übergang von solchen Einschätzungen zu militärischen Entscheidungen blieb.
Reiseberichte und Tagebücher eröffnen unterschiedliche Zugänge zu diesem Zusammenhang: die Verhandlungen eines Gesandten, die Wege einer Expedition, den Alltag eingeschlossener Menschen. Sie halten fest, was ihre Verfasser wussten, vermuteten oder erst im Verlauf der Ereignisse begriffen. Gerade diese begrenzten Blickfelder machen die Quellen nebeneinander lesenswert.
